Trotz steten Blicks auf die Tankanzeige fuhren wir von Concarneau (von dem sich nachstehend auch noch ein paar Bilder finden) aus zunächst nach Carnac, dem bretonischen Pendant zu Stonehenge, anstatt unser nächstes Ziel direkt anzusteuern. No risk, no fun. Und es hat sich wirklich gelohnt (siehe Steinbilder). Außerdem wurden wir auf dem Weg nach Guerande (die letzten Bilder) auch noch mit einer offenen Tankstelle belohnt, die uns zumindest GPL verkaufen konnte.
Concarneau – die bretonische Karibik
Ich gestehe: ich habe eine Schwäche für sogenannte Reisekrimis. Bei einem Glas guten Rose‘ an einem Sommerabend sind diese literarisch oft eher fragwürdigen Bücher eine wunderbare Art abzuschalten. Mit besonderer Begeisterung verfolge ich die Abenteuer von Kommissar Dupin. Der Held der Bücher von Jean-Luc Bannalec ist in der beneidenswerten Situation seinen Dienst im beschaulichen Concarneau im Finisterre verüben zu dürfen.
Da uns unsere Reise, nachdem das vorzeitige Reiseende durch Benzinknappheit erstmal abgewendet war, in diese wunderbare Ecke der Welt gebracht hat haben wir die Möglichkeit genutzt und sind auf den Spuren des Kommissars gewandert. Angefangen mit einem großartigen Essen in Dupins Stammlokal Amiral. Und fortgesetzt mit dem Besuch einiger Schauplätze.
Hier ein paar Impressionen.
Saint Malo oder DIE Bretagne gibt es nicht
An jeder Ecke, in jeder Stadt sieht die Bretagne anders aus. Wie sagt mein Lieblingsautor Bannalec so schön? DIE Bretagne gibt es nicht. Nach Saint Malo sind wir auf vertrauenswürdige Empfehlung gefahren und wir wurden nicht enttäuscht. Wieder ganz anders, aber einfach toll und meiner Meinung nach tatsächlich DIE bretonische Strandpromenade, die zwar den Sprung in die Neuzeit geschafft, sich ihren ursprünglichen Charme aber bewahrt hat. Und zu einem herrlichen nächtlichen Strandspaziergang eingeladen hat. Es ist zwar schon ein paar Tage her, dass wir dort waren, aber die Erinnerung ist noch sehr lebendig.
Dinan – in meiner Badewanne bin ich Kapitän
Der Hafen der bretonischen Stadt Dinan bietet, neben sehr guten Galettes (ich empfehle die Variante mit Andouille und Algen) und Cidre sowie den unvermeidlichen Touristenläden eine kleine Besonderheit. In Dinan ist es auch nautisch eher , vorsichtig ausgedrückt, unerfahrenen Menschen möglich komplett selbstständig ein Motorboot zu führen. Man sollte dazu sagen, dass das Binnengewässer auf dem sich der Spaß abspielt nicht unbedingt als reissend zu bezeichnen ist – träge trifft es eher. Nach ausführlicher Einweisung („Das ist das Steuer, da gibst du Gas, vermeide es gegen Felsen zu fahren.“) geht es los. Atemberaubende 3Knoten im Hafenbecken, unfassbare 6-7 im freien Wasser. Objektiv nicht viel, aber das Gefühl ist toll. In meiner Badewanne bin ich Kapitän.
Dinan ist allgemein einen Besuch wert. Aber seht selbst.
Gestrandet? Benzinknappheit in der Bretagne
Autofreie Sonntage kennen wir eigentlich nur aus den Erzählungen unserer Eltern. Die Bretagne wird aktuell allerdings von einem ähnlichen Ereignis heimgesucht, da aufgrund akuter Erschöpfungszustände der LKW-Fahrer an diesem Wochenende fast keine Tankstelle mit Benzin beliefert wurde und Autobahnen so gut wie leer sind. Leider traf es sich, dass unser Tank aufgrund bereits gestern geschlossener Tankstellen ebenfalls fast leer war. Gerade als ich unsere Reservierung im Restaurant L’Amiral und unser Hotel in Concarneau schweren Herzens absagen wollte kam sie, und war keine Fata Morgana: Eine geöffnete Tankstelle, die, wenn auch streng rationiert, Benzin verkaufte. Concarneau, wir kommen.
D-Day
Eine kleine Überraschung in Cherbourg
Dieser wunderschöne Markt findet jeden Donnerstag in Cherbourg statt. Ich halte meine Empfehlung kurz : probiert die Bratwurst vom Holzkohlegrill, sie wird von den Familien die die Stände betreiben selbst hergestellt und ist das Beste in Sachen Streetfood das mir je untergekommen ist. Wichtig : die 30Cent extra für geschmorte Zwiebeln sind gut angelegt.
Mont-Saint-Michel – ein Lehrbuch wird Wirklichkeit
Der Mont-Saint-Michel und sein englischer Bruder faszinieren mich schon seit meiner Schulzeit, da sich im jeweiligen Sprachlehrbuch Bilder befanden und ich diese während des Unterrichts häufig betrachtete – und zugegebenermaßen häufig meine Gedanken dorthin schweifen ließ 😂
Nach über 20 Jahren werde ich dieses Jahr Beides sehen, zunächst aber die französische Ausgabe.
Aufgrund eines Tipps unserer Herbergsmutter Marylin des gleichnamigen Bed & Breakfasts waren wir zunächst Zeugen, wie die Schafe des Mont-Saint-Michel von der Weide getrieben wurden – herrlich.
Bei Einbruch der Dämmerung brachen wir schließlich zum eigentlichen Ziel unseres Ausflugs auf und hatten die Festungsanlage fast für uns alleine – ein Geschenk, da sich die Touristen dort sonst die Füße platt treten. Der Mont-Saint-Michel ist nämlich ein wirklich traumschöner Ort, der am Abend, wenn die Touristenmassen verschwunden und die Shops geschlossen sind, seine ganz eigene, urtümliche Stimmung entfalten darf.
Die Shops sind allerdings doch noch erwähnenswert, da sie mich an der ein oder anderen Stelle ganz intensiv an mein heiß und innig geliebtes Disneyland erinnerten. Ein Schelm wer Böses dabei denkt und behauptet, die Disney Imagineers seien hier am Werk gewesen…
Deauville -Flucht aus der Realität
Wenn man die Normandie, insbesondere die Küstenabschnitte, besucht, kommt man kaum umhin, Kriegsschauplätzen des Zweiten Weltkriegs zu begegnen. Tatsächlich könnte ich mir keinen besseren Reisebegleiter als Torsten vorstellen, der Bunkeranlagen, Anladeplätze der Alliierten und Soldatenfriedhöfe besser kommentieren und erklären könnte. Ein Historiker im Haus hat schon Vorteile.
Das Grauen ist auch nach all den Jahrzehnten allgegenwärtig und hat die betroffenen Küstenabschnitte wie Omaha Beach so nachhaltig verändert, dass dort an entspannten Urlaub gar nicht zu denken ist.
Deauville war somit eine willkommene Abwechslung. Der morbide Charme dieses Promi-Hotspots (was Deauville früher einmal gewesen sein muss) hat uns wirklich sehr gut gefallen, auch wenn wir zunächst irrtümlicherweise im direkt nebenan gelegenen Trouville gelandet sind. Mondäne Casinos beherbergen in jedem Fall beide Städte – eine Pferderennbahn jedoch nur Deauville. Und die Boutiquen der großer Marken lassen darauf schließen, dass dort die Prominentendichte wenigstens im Sommer zum Filmfestival sehr hoch sein muss.
Yport oder das Wesen der Normandie
Da wir einige besorgte Anfragen bekommen haben: es geht uns natürlich gut. Wir hatten leider in den letzten zwei Tagen kein W-Lan in unseren Unterkünften, deshalb sind wir etwas in Verzug geraten.
Doch zurück zum Thema :
Man kann sich auf einer Reise wie der unsrigen nie wirklich sicher sein welche Orte sich besonders ins Bewusstsein drängen. Es gibt Orte an denen man stehenbleiben und verweilen möchte. Orte die zum raschen weiterziehen auffordern. Und Orte die einen tief im Inneren berühren. Letztere Orte sind selten und mancher Mensch bekommt vielleicht nie einen dieser besonderen Plätze zu Gesicht. Richtig kompliziert wird es wenn man in Betracht zieht, dass wir alle verschieden sind und so auch unterschiedlich auf die Welt die uns umgibt reagieren. Aber ich schweife ab. Wir hatten nie geplant nach Yport zu kommen. Genau genommen sind wir einfach zwei Stunden früher als geplant an unserer Unterkunft angekommen und wollten die Zeit nutzen in den nächsten Ort zu fahren. Ich sollte dazu sagen, dass wir an diesem Tag bereits Dieppe und den Strand von Puys besucht haben wo der gescheiterte Versuch der Alliierten 1942 eine Front im Westen zu eröffnen einen hohen Blutzoll gefordert hatte. Manche Orte atmen die Vergangenheit und der Strand von Puys gehört sicher dazu. Kurzum: Wir konnten einen schönen Abend gebrauchen um unsere nachdenkliche Stimmung zu vertreiben, bevor wir am folgenden Tag zu den Orten der Invasion in der Normandie 1944 weiter reisen würden. Yport ist ein kleines Seebad, dass sich in eine Bucht der Normanischen Steilküste duckt. Die kleinen Häuser aus der Mitte des 19. Jahrhunderts liegen gepflegt entlang enger Straßen inmitten eines Waldes der den Ort gegen die Landseite hin umgibt. Die Bucht an sich misst vielleicht 500m in der Breite und ist umgeben von spektakulären Steilhängen, in deren Kalk und Feuerstein sich das Licht der Abendsonne fängt. Wir sind, die Verbotsschilder geflissentlich übersehend, entlang der westlichen Klippe bis ans Ende der Bucht geklettert. Dort, umgeben von Fels, Sonne, Wind und Gischt den Tag enden zu sehen wird als Erinnerung bleiben und Bilder können nur im Ansatz vermitteln wie sich das angefühlt haben mag. Auf jeden Fall sind wir hier dem Wesen der Normandie so nahe gekommen wie man es als Außenstehender eben vermag.
Auf Empfehlung unseres Gastgebers für diese vorhergehende Nacht hatten wir früher am Tag bereits das hübsche Städtchen Mers-les-Bains erkundet und uns auf dem Markt mit Käse und Brot eingedeckt. In diesem Badeort, dessen früherer Glanz noch zu erkennen ist, konnte sich Nina auch mit einem dringend benötigten Badeanzug eindecken. Ein voller Koffer heißt nicht, dass auch alles dabei ist.
Hier noch ein paar Bilder aus Mers-les-Bains, Puys und ein paar die sonst nirgendwo reinpassen. Man bemerke die Hochgeschwindigkeitsschnecke!














































































