Biarritz – eine Stadt der Gegensätze


Wir hatten einen schicken Badeort erwartet und wurden nicht enttäuscht. Wenn wir auch kurzzeitig durch Regen vom Flanieren abgehalten wurden, konnten wir uns am frühen Nachmittag dann doch noch ins Getümmel stürzen. Das Getümmel besteht in Biarritz wirklich aus den ungewöhnlichsten Konstellationen: So teilen sich Frauen mit Hèrmes-Tüten die Strandpromenade mit den seit Arcachon allgegenwärtigen Junggesellenabschieden, die im Fall von Biarritz auch noch auf einen unsäglichen Borrat-Badeanzug zurückgriffen,um den zukünftigen Bräutigam zu quälen.
Das wirkliche Leben aber spielt sich im oberen Teil der Stadt ab, weit weg vom angestaubten Flair des Strandes und direkt an unserem Hotel. So stürzten wir uns in das abendliche Getümmel und verlebten einen super Abend, dessen Essen schon einen kulinarischen Vorgeschmack auf unsere nächste Station bildete: Spanische Tapas.
Frühstück und Kaffee gab’s dann frisch vom Markt (trotz Sonntag) bei Sonnenschein und toller Musik.

Eine Beobachtung

Wir saßen heute Mittag, wie an anderer Stelle berichtet, in einem kleinen Strandlokal, das Austern und andere Meeresfrüchte direkt vom Erzeuger anbietet. Bei einem Glas guten und trotzdem erstaunlich günstigen Rose‘ haben wir darüber gefachsimpelt, dass die Austern in Cancale mineralischer, die Austern in Le Croisic nussiger und die hiesigen Austern vom Cap Ferret dafür cremiger und fleischiger seien, wobei uns die „sauvages“ die wild gewachsenen von der „Vogelinsel“ am besten geschmeckt haben, als sich eine Familie an den Nachbartisch gesetzt hat. Das ist nichts ungewöhnliches, im Lokal saßen noch andere Familien und in Cancale war der Austernmarkt offenbar beliebtes Ausflugsziel von Familien mit Kindern aus der weiteren Umgebung. Warum erwähne ich es? Die besagte Familie kam aus Deutschland und es war offensichtlich, dass die Tochter in ihrem, sicher schon 12 Jahre dauernden Leben noch nie mit Meeresfrüchten in Kontakt gekommen war und alles auf den Tischen um sie herum mit offensichtlichem Ekel musterte.
Mir ist in den letzten Wochen immer wieder aufgefallen, dass in Frankreich Kindern eine andere Einstellung zu Lebensmitteln vermittelt wird als bei uns oft. Es wird mehr Wert auf das Thema Ernährung gelegt und auch mehr Wissen vermittelt. Ich wurde in Deutschland vor nicht allzu langer Zeit von einer Supermarkt Kassiererin gefragt was das für ein Obst sei, dass ich da auf die Kasse gelegt hatte. Es handelte sich um Rotkohl. Auf dem Markt in Guerande habe ich gesehen, wie ein Junge um die 12 mit Kennerblick die schönsten Fenchelknollen und Fische am Marktstand ausgesucht hat. Ich kann mir die Reaktion seiner Altersgenossen in Deutschland nur vorstellen :“Iiiiih! Fisch, der ist ja noch ganz. “
So funktioniert das aber nicht. Wenn wir als Gesellschaft den Bezug zu dem verlieren von dem wir uns ernähren geben wir einen bedeutenden Faktor eines selbstbestimmten Lebens ab an wenige Unternehmen und Konzerne die unsere Supermärkte mit Fertigfutter füllen. Das ist einfach, praktisch und sieht nicht mehr nach Tier oder Pflanze aus. Was für eine furchtbare Vorstellung.

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Arcachon – ein Ausflug ins Frankreich des Massentourismus

Zugegeben: Zur Abwechslung ist es echt ganz nett, allerorten auf geöffnete Restaurants zu stoßen und die Sommerklamotten auspacken zu können. Dieser Beitrag entsteht übrigens gerade am Strand bei sommerlichen 23 Grad mit angenehmer Meeresbrise.
Allerdings erinnert uns Arcachon an Strände des Massentourismus und ist nicht unbedingt unser Geschmack. Bausünden in Strandnähe passen nicht zu dem Frankreich, das wir so sehr lieben.  Aber zum Glück lassen sich überall nette Ecken finden. So haben wir den heutigen Tag dafür genutzt,  um kräftig Recherche zum Thema  Austern und Meerestiere zu betreiben. Hierfür haben wir mit dem Boot nach Kap Ferret übergesetzt,  das wirklich sehenswert ist.
Zwei Dutzend Austern später und überaus glücklich haben wir die dort servierten, wilden Austern am Nachmittag zur Sicherheit noch mit den Austern einer Austernzucht auf der anderen Seite des Golfs verglichen – sicher ist sicher 🙂 Und ja, die waren auch gut. Ganz nebenbei konnten wir dabei zuschauen, wie die frische Ernte gewaschen, umgepackt und sortiert wurde. Die probieren wir dann Morgen….

Zum Abschluss eines tollen Tages gab es dann noch diesen Sonnenuntergang…DSC_2009

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La Rochelle – Willkommen im Süden

Schweren Herzens haben wir die Bretagne verlassen,  um einen großen Sprung in den Süden zu machen.  Aber wie wir festgestellt haben wartet an jeder neuen Ecke etwas Anderes Interessantes. 

Nach einem letzten Mittagessen in Le Croisic hat uns La Rochelle zur Belohnung für unseren Absprung aus der Bretagne mit mediterranen Klängen und sommerlichen Temperaturen begrüßt und uns einen schönen Abend bei leckerem Bier im angesagten Studentenviertel beschert.

Am nächsten Tag entschieden wir uns trotz deutlich kälterer Temperaturen für ein Frühstück am Hafen und gerieten dort unfreiwillig in einen (überwiegend radelnden) Demonstrationszug der französischen Post. Wir mussten einfach lachen:  Würden neben den Arbeiter der Ölraffinerien, den Mitarbeitern der französischen Bahn, den AKW-Mitarbeitern (angekündigte Streiks) jetzt auch noch die Postmitarbeiter streiken? Und das, wo ich mir fest  vorgenommen hatte, dass die Postkarten einmal vor mir daheim eintreffen würden. Na gut, im Briefkasten sind sie jedenfalls.

Vor unserer Weiterfahrt unternahmen wir noch einen Bootsausflug zum Fort Boyard, einem Fort mitten im Atlantik gelegen und wohl bei Fertigstellung schon nicht mehr notwendig. Heute wird es wohl augenscheinlich intensiver genutzt als früher, da es seit Jahren in Dauernutzung für die gleichnamige Fernsehsendung ist. Beeindruckend ist es trotzdem.

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La Guerande – Golf du Morbihan

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Wenn man mich fragen würde, wo man DIE Bretagne findet, würde ich auf die Region des Golfs von Morbihan verweisen. Ein Traum; genau so hatte ich mir die Bretagne vorgestellt. Der Zufall will es,  dass wir hier bzw. auf der Guerande-Halbinsel, genauer in La Guerande, erstmalig zwei Nächte verbringen und unser Nomadenleben kurzzeitig verlangsamen. Bislang sind wir jeden Morgen  weitergezogen. Hier haben wir gerne mehr Zeit verbracht.  Nach einem Besuch der Salinen,  die der Landschaft im Landesinneren ihren Stempel aufgedrückt haben, sind wir bei wunderbaren fruits de mer im wunderschönen Le Croisic ge“strandet“.  Ein Picknick bei Sonnenuntergang und eine neuerliche Betankungsmöglichkeit haben den wunderbaren Tag abgerundet – la viel est belle!
Aber uns hat das Reisefieber gepackt und so freuen wir uns schon auf unsere nächste Station. La Rochelle, wir kommen! Allons-y!

Carnac-im Zeichen der Steine

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Trotz steten Blicks auf die Tankanzeige fuhren wir von Concarneau (von dem sich nachstehend auch noch ein paar Bilder finden) aus zunächst  nach Carnac, dem bretonischen Pendant zu Stonehenge, anstatt unser nächstes Ziel direkt anzusteuern. No risk, no fun.  Und es hat sich wirklich gelohnt (siehe Steinbilder).  Außerdem wurden wir auf dem Weg nach Guerande (die letzten Bilder)  auch noch mit einer offenen Tankstelle belohnt, die uns zumindest GPL verkaufen konnte.

Concarneau – die bretonische Karibik

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Ich gestehe: ich habe eine Schwäche für sogenannte Reisekrimis. Bei einem Glas guten Rose‘ an einem Sommerabend sind diese literarisch oft eher fragwürdigen Bücher eine wunderbare Art abzuschalten. Mit besonderer Begeisterung verfolge ich die Abenteuer von Kommissar Dupin. Der Held der Bücher von Jean-Luc Bannalec ist in der beneidenswerten Situation seinen Dienst im beschaulichen Concarneau im Finisterre verüben zu dürfen.
Da uns unsere Reise, nachdem das vorzeitige Reiseende durch Benzinknappheit erstmal abgewendet war, in diese wunderbare Ecke der Welt gebracht hat haben wir die  Möglichkeit genutzt und sind auf den Spuren des Kommissars gewandert. Angefangen mit einem großartigen Essen in Dupins Stammlokal Amiral. Und fortgesetzt mit dem Besuch einiger Schauplätze.
Hier ein paar Impressionen.

Saint Malo oder DIE Bretagne gibt es nicht

An jeder Ecke, in jeder Stadt sieht die Bretagne anders aus. Wie sagt mein Lieblingsautor Bannalec so schön? DIE Bretagne gibt es nicht. Nach Saint Malo sind wir auf vertrauenswürdige Empfehlung  gefahren und wir wurden nicht enttäuscht. Wieder ganz anders, aber einfach toll und meiner Meinung nach tatsächlich DIE bretonische Strandpromenade, die zwar den Sprung in die Neuzeit geschafft, sich ihren ursprünglichen Charme aber bewahrt hat. Und zu einem herrlichen nächtlichen Strandspaziergang eingeladen hat. Es ist zwar schon ein paar Tage her, dass wir dort waren, aber die Erinnerung ist noch sehr lebendig.

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Dinan – in meiner Badewanne bin ich Kapitän

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Der Hafen der bretonischen Stadt Dinan bietet, neben sehr guten Galettes (ich empfehle die Variante mit Andouille und Algen) und Cidre sowie den unvermeidlichen Touristenläden eine kleine Besonderheit. In Dinan ist es auch nautisch eher , vorsichtig ausgedrückt, unerfahrenen Menschen möglich komplett selbstständig ein Motorboot zu führen. Man sollte dazu sagen, dass das Binnengewässer auf dem sich der Spaß abspielt nicht unbedingt als reissend zu bezeichnen ist – träge trifft es eher. Nach ausführlicher Einweisung („Das ist das Steuer, da gibst du Gas, vermeide es gegen Felsen zu fahren.“) geht es los. Atemberaubende 3Knoten im Hafenbecken, unfassbare 6-7 im freien Wasser. Objektiv nicht viel, aber das Gefühl ist toll. In meiner Badewanne bin ich Kapitän.

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Dinan ist allgemein einen Besuch wert. Aber seht selbst.

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Gestrandet? Benzinknappheit in der Bretagne

Autofreie Sonntage kennen wir eigentlich nur aus den Erzählungen unserer Eltern. Die Bretagne wird aktuell allerdings von einem ähnlichen Ereignis heimgesucht, da aufgrund akuter Erschöpfungszustände der LKW-Fahrer an diesem Wochenende fast keine Tankstelle mit Benzin beliefert wurde und Autobahnen so gut wie leer sind. Leider traf es sich, dass unser Tank aufgrund bereits gestern geschlossener Tankstellen ebenfalls fast leer war. Gerade als ich unsere Reservierung im Restaurant L’Amiral und unser Hotel in Concarneau schweren Herzens absagen wollte kam sie, und war keine Fata Morgana: Eine geöffnete Tankstelle, die, wenn auch streng rationiert, Benzin verkaufte. Concarneau, wir kommen.